Der Reigen der Kleiderbügel

Eine lange Nacht, bei Vollmond in der Museums-Scheune



„Oh, unsere Künstlerin!“, rief ein gröblich aussehender Herrenbügel. Er versuchte, in die Nähe der eingehüllten Tänzerin zu gelangen, die ihre Arme verträumt auf und ab bewegte. „Bernhard Kuhn, Sohren/Hunsrück“, las man in seinem Holz.

„Au ja, ein Fest! Ein Fest!“, riefen alle durcheinander. Einige versuchten, sich selbst Richtung Fenster ins Mondlicht zu schwingen, zerrten an den Speichen, brachten die Räder in Schwung.

„Endlich! Tür zu!“ Die Tänzerin ganz vorne am Fenster drehte sich um sich selbst vor Freude. Sie war ganz und gar eingenäht, stand dem Mond am nächsten. Sein Licht spiegelte sich in den Farben ihres von geschickter Hand gefertigten, seidig glänzenden Bezugs. Schwarze und weiße Streifen mit dunkelroten Rosen blitzten auf, zwischen den Streifen leuchtete es tiefblau. Kokett schwang sie an ihrem Haken.

„Nicht so schnell, nicht so schnell!“, schrie einer. „Ich fliege ja herunter! Ich liege hier unten auf den Speichen. Merkt ihr denn nicht, dass ich rutsche?“

„Ich auch!“ - „Und ich auch!“

Drei Kleiderbügel schrien wie am Spieß.

Erschrocken drehten sich die anderen um. „Liegen? Ein Kleiderbügel, der liegt – ist doch kein Kleiderbügel! Hängen muss ein Kleiderbügel, hängen, jawohl!"