Presse 2026



Wanderlesung auf der Nohener Schleife am Nahesteig

Natur, Geschichten und Genuss prägen Frauenwanderung rund um Nohen

Großen Zuspruch fand am Sonntag, 14. Juni, eine unter dem Motto „Weibliche Stärke aus der Natur“ stehende Wanderung für Frauen rund um Nohen. Die Veranstaltung verband Kräuterkunde mit regionalen biografischen Erzählungen und führte entlang der bekannten Nohener Nahe-Schleife.

Die Gruppe der Teilnehmerinnen erwies sich als überraschend vielfältig: Frauen im Alter von 25 bis 75 Jahren waren der Einladung gefolgt. Sie alle wollten erfahren, welche Kräuter Wohlbefinden fördern oder Beschwerden lindern, wie man Wild- und Gartenkräuter in der Küche einsetzen kann und wie sich das Leben selbstbestimmter Frauen der Region in den 1950er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts abspielte – so ganz ohne Telefon und ohne Auto, um die notwendigen Strecken zu bewältigen, wenn es eilte: etwa in Geburtsnöten.

Ausgangspunkt der Wanderung war der Sportplatz in Nohen. Bereits dort entdeckte Kräuterexpertin Beate Stoff vor der Kulisse eines Grauwackenfelsens zwischen Geröll und kargem Boden eine Reihe interessanter Kräuter, darunter Kamille, Steinklee, Beifuß und Natternkopf.

An dieser ersten Station begann auch die Autorin Leona Riemann ihre Lesereihe. Sie schilderte eindrucksvoll den Alltag der Hebamme Mina Löwenbrück, einer beherzten und versierten Frau aus dem Hunsrückort Gödenroth. Mit ihrem Hebammenkoffer auf dem Moped war sie einst zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs, um Frauen in der Region zu unterstützen.

Die mittelschwere Wanderung führte entlang der Nahe und über Teilstücke der Nohener Nahe-Schleife. An zahlreichen Stationen vermittelte Beate Stoff praktisches Wissen über heimische Pflanzen. So erfuhren die Teilnehmerinnen unter anderem, dass man die Stacheln einer Distel mit der Nagelschere entfernen und mit ihren Blättern den Salat schmackhaft bereichern kann. Zudem lernten die Teilnehmerinnen, worauf man bei Doldenblütlern achten muss, um sie nicht miteinander zu verwechseln.

Erstaunen rief die Information hervor, wie viel Vitamine drei Gänseblümchen hergeben. Auch auf giftige Pflanzen wie die Wald-Hundspetersilie oder den Seidelbast wurde eingegangen. Die Fundstellen boten ungeahnte Informationen und luden zum Staunen und zum Verweilen ein.

Die zweite Lesestation von Leona Riemann stand im Zeichen der Geburtshilfe unter erschwerten Umständen von Unerfahrenheit, Angst und Panik eines jungen Mädchens anno 1953.

 

Passend dazu stellte Beate Stoff verschiedene Kräuter vor, die traditionell in der Geburtshilfe und Frauenheilkunde verwendet werden, darunter Himbeerblätter, Steinklee, Nelkenwurz, Melisse und Frauenmantel.

Für eine kulinarische Überraschung sorgte die Dozentin mit einem kleinen Imbiss: Frisches Brot konnte mit Butter und frisch zerkleinerten Kräutern verfeinert werden.

Für zusätzliche Spannung sorgte eine ungewöhnliche Entdeckung auf der steinernen Brücke über die Rhein-Nahe-Bahn. Die zerrupften Federn eines Vogels ließen auf einen mörderische Attacke schließen. Gemeinsam gingen die Teilnehmerinnen den Fragen nach: „Was für ein Vogel war das?“ und „Wie viele Beine hatte der Mörder?“ Die Sache konnte aufgeklärt werden.

Den Abschluss der Wanderung bildete eine weitere, heitere Erzählung von Leona Riemann. In deren Mittelpunkt stand die humorvollen, zupackenden Maria Gräf aus Bärenbach am Hahn, die im Alter von 30 Jahren staunend den ersten Amerikanern auf dem Hahn begegnete. Erst wusch sie den Soldaten die dreckige Wäsche. Später führte sie abseits des Getriebes von Lautzenhausen eine florierende Wirtschaft mit Pension für amerikanischen Familien. Kicker, die neue Musik und Tanz lockten auch die mittlerweile motorisierte Jugend der 1960er-Jahre in den „Mittelpunkt“ von Rheinland-Pfalz in Bärenbach.

Zum Abschluss waren sich alle einig: Die gelungene Verbindung aus Naturerlebnis, Kräuterwissen und regionaler Geschichte machte die Wanderung zu einem besonderen Erlebnis für die teilnehmenden Frauen.