Ein Hochzeitswunsch für Else

Else Laux, „Hexe von Roth“, 2. Advent 1628 bis 30. Juli 1629

 

Prolog: Hundheim, 1614

In ihrem langen schwarzen Festkleid saß Else neben Philipp. Seit heute war er ihr Ehemann, und nun wurden die beiden unter Lachen, Zurufen und Winken aus Hundheim geleitet. Stolz saß sie auf dem Leiterwagen mit ihren Habseligkeiten, den kurzen weißen Schleier trug sie offen am Brautkranz, leise wehte er um ihr Gesicht. Gemessenen Schritts führte Niklas Meister, der junge Gesell ihres Mannes, das Ochsengespann zum Dorf hinaus, ganz Hundheim begleitete das Paar. „Gott segne die Els!“, rief ihr Pate, der Peter Elges und riss die Arme hoch. „Nun ziehet hin in Gottes Namen, und ziehet jeder ein Kälbgen desto mehr!“ * Stumm winkte sie zurück, verstohlen tupfte sie sich mit dem Schleier eine Träne aus dem Auge. Ja, für ihr Geschick im Umgang mit dem Vieh war sie bekannt und geschätzt. Sie sah, wie auch der Peter mit den Tränen kämpfte, den Arm senkte, um sich mit dem Ärmel über das Gesicht zu wischen.    (...)                                                                                                                        * Überlieferter O-Ton des Peter Elges

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Februar 1629

Wie war sie dann nur in den Turm gekommen!

In den Gefängnisturm von Kastellaun, in dem sie sehr oft „Besuch“ bekam. Der Pfarrer und die Herren vom Amt betraten ihn durch die Vordertür, der Scharfrichter musste den Turm durch die Hintertür betreten. Weil er, der „Unberührbare“, niemals durch die Stadt laufen und auch nicht die Burganlage queren durfte.

Das war vor Weihnachten gewesen. Mit den Croaten hatte alles angefangen. Die beiden waren katholische Söldner im Heer dieses Wüterichs, Ambrosius. Vor Weihnachten waren sie bei ihr einquartiert worden. Überall an den Feuerstätten der Dörfer hockten diese Krieger, man musste sie wärmen und durchfüttern.

Sie langweilten sich, hockten tagelang vor dem Herd oder trafen sich in einer Scheuer mit ihren Kumpanen. Sie verfluchten den Krieg, die Lutheraner von morgens bis abends. Beim Tischgebet verfluchten sie die Els‘ und ihre Brut dazu, während Hamann seine Kreise zog, Dippe für Dippe flickte und die Pfennige in seinen Säckel zählte, bis der Schnee seine Besuche unmöglich machte.

Else hielt den Croaten Stand. Voller Verachtung servierte sie ihnen im Advent volle Teller mit Kraut aus dem Fass im Keller, es gab auch noch Fleisch vom Schlachtschwein im Herbst für sie alle, für Hamann, die Kinder, die Söldner und für sie selbst ein kleines Stück. Sie bewirtete die Kerle, hatte frisches Stroh für ihr Lager, entsorgte ihren Dreck. Dass das Leben hart sein konnte – hatte sie gelernt. Dass man es nehmen musste wie es kam – wusste sie längst. (...)